Freitag, 17. März 2006

CARE-PAKET!!!



Deutschlands Osten schrumpft !
(...und die Gehirne unserer Politiker ziehen gleich!!)

Gestern las ich in der "Berliner Zeitung" auf der Titelseite, dass die Entvölkerung Ostdeutschlands jetzt auch die Regierung wachgerüttelt hat.
Herr Wolfgang Tiefensee (SPD), zuständiger Minister für den Aufbau Ost, hat auch schon eine Idee, dies zu verhindern. Kommenden Montag wird er mehrere Modelle vorstellen, wie man eine Rückkehr abgewanderter Menschen in die Heimatregion unterstützen könnte.
Es sollen "HEIMATSCHACHTELN" an 18-30jährige Einwohner Magdeburgs verschickt werden, die das Bundesland verlassen haben, oder es in nächster Zeit zu tun gedenken.
Die Pakete enthalten kleinere GESCHENKE, die positive Erinnerungen wecken und die Magdeburg-Identität stärken sollen.

Inhalt der Schachtel:

- Gutscheine für Bars
- Regionale Produktproben
- Ein Zeitungsabonnement
- 1 HEIMATMAGNET FÜR DEN KÜHLSCHRANK (im neuen Zuhause!)

Lieber Herr Tiefensee,
ich hätte da mal eine Frage!
Wieviel hat den Bundesbürger diese neue Farce gekostet? Ist das Wort "Heimatschachtel" in ihrem weltfremden Hirn entstanden, oder haben sie dafür eine dieser "coolen" Werbeagenturen aus Berlin-Mitte beauftragt, auf unsere Kosten solch eine " menschliche Verhöhnung der besonderen Art" zu kreieren??
Den Erfindern der "Heimatschachtel" gehört dieselbige tief in ihre eigene "Heimat" gestopft.
Aber ich gebe zu, es ist der Neid, der aus mir spricht, weil ich denke, eine viel bessere Lösung des Problems gefunden zu haben:

Ich gehe davon aus, dass Menschen, die ihre Heimat verlassen, dies nicht freiwillig oder gerne tun. Da nützt sicher nicht nur EIN Magnet am Kühlschrank, der sie festhalten kann, insbesondere, wenn der Besagte leer ist. Hier noch ein paar zusätzliche Dinge, die meines Erachtens unbedingt noch mit in die Schachtel gehören:

- Gutscheine für das heimatliche Bordell ( gilt auch für den benachbarten Swinger-Club)
- Regionale Alkohol-Produktproben (lieferbar frei Haus)
- Ein Abonnement für eine Fernsehzeitung (auf Lebenszeit)
- Ein Magnet für den Kühlschrank mit der Aufschrift : Attention...gähnende Leere, aber sauber! (kann auch als Kopfschmuck verwendet werden!)

Mit diesen Zusätzen in ihrer "Heimatschachtel" garantiere ich ihnen, dass die Menschen aus Magdeburg (und aus jeder anderen ostdeutschen Stadt) hundertprozentig keinen Grund mehr haben, den armen Bayern ihre Jobs wegzunehmen.
Eine tatkräftige Idee wäre noch, die Menschen mit ihren Schachteln gleich in ihre Wohnungen einzusperren. Da sie dort nichts weiter zu tun hätten, als wie Kanickel übereinander herzufallen, hätten wir zugleich das Problem des Geburtenrückgangs in Deutschland gelöst.
Die 500.000 Euro für meine Beraterstunde bitte ich sie auf mein Konto in Monaco......zu überweisen.
Hochverachtungsvoll,
.........................!

Mittwoch, 15. März 2006

Gelb in Berlin



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Dienstag, 14. März 2006

Verschlungene Pfade

Mit viel Kraft und Energie sprang das kleine Mädchen vor mir her.
"Du wirst einmal eine schöne Frau werden", dachte ich beiläufig, während ich die Straße überquerte. Auf der gegenüber liegenden Seite streckte mir ein zerlumpter Mann seine Hand entgegen.
"Keine Zeit und kein Kleingeld", murmelte ich halblaut, bevor ich um die Ecke bog. Der plötzliche Zusammenstoß mit dem jugendlichen Skinhead ließ mich eine Pirouette drehen. Schmerzvoll rieb ich meine Schulter.
"Tut mir Leid", hörte ich noch, dann war er verschwunden.
"Halb so wild", stöhnte ich, hob meine Tasche auf und setzte meinen Weg fort.
"Passen sie doch auf", schrie mich hektisch eine junge Mutter an, als ich fast über ihren Kinderwagen fiel, den sie mir ungestüm in die Knie rammte, um an mir vorbei zu eilen.
"Pass selber auf, blöde Kuh", entfuhr es mir gereizt, doch umsonst, sie war schon weiter geeilt.
Erschöpft ließ ich mich auf eine Bank fallen.
Ein kleines Mädchen, ein Obdachloser, ein Skinhead und eine junge Mutter.
Was könnten diese Menschen gemeinsam haben?

Zehn Jahre später:

1. Geschichte:
Der Skin vergewaltigt und tötet die inzwischen 12 jährige Tochter der jungen Mutter. Das kleine Mädchen, jetzt 18 Jahre alt, hat zur Untermiete bei der jungen Mutter gewohnt, und ist Zeugin des Mordes geworden. Der Skin wird aufgrund ihrer Aussage verhaftet. Der Obdachlose ist der unbekannte Vater der jungen Mutter. Er tötet im Rausch den Skin im Gerichtssaal, bevor dieser verurteilt werden kann. Die junge Mutter, die erst jetzt erfährt, dass der Obdachlose ihr Vater war, bringt sich vor Trauer um ihre Tochter und ihren Vater um. Dieser erleidet einen Herzinfarkt, als er vom Tod seiner Tochter erfährt. Das kleine Mädchen wird Zeit ihres Lebens von einer psychiatrischen Klinik in die Nächste eingeliefert.

2. Geschichte:
Das kleine Mädchen verliebt sich in einen netten Banker, der seine wilden Skinheadjahre längst überwunden hat. Auf dem Weg zu einer Party überfahren sie einen Obdachlosen und begehen Fahrerflucht. Sie fliehen zu seiner Chefin, der jungen Mutter, deren inzwischen zwölfjährige Tochter, unsterblich verliebt in den jungen Banker, ein Gespräch belauscht, worbei sie erfährt, dass der Banker und seine ihr verhasste Freundin einen Mann getötet haben. Sie zeigt sie aus Eifersucht bei der Polizei an.

3. Geschichte:
Die junge Mutter kommt nach fast 10 Jahren aus dem Gefängnis, in dem sie wegen einer Drogengeschichte einsaß. Überführt hatte sie damals der Obdachlose, der eigentlich ein verdeckter Ermittler war.Die junge Mutter, deren jetzt 12jährige Tochter als Pflegekind in die Familie des kleinen Mädchens kam, engagiert einen Profikiller, um den Polizisten töten zu lassen. Der Killer, ein ehemaliger Skinhead, erledigt seinen Job und wird der Geliebte der jungen Mutter. Beide wollen die 12jährige Tochter aus der Pflegefamilie entführen, um mit ihr ins Ausland zu fliehen. Das junge Mädchen stellt sich ihnen in den Weg und wird von ihnen erschossen. Die Mutter und der Skin können mit der Tochter nach Kanada fliehen, wo sie mehrere Banken ausrauben, bevor sie gefasst werden.

Und was mache ich in dieser Geschichte?

1. Geschichte:
Ich gehe über eine Brücke, und kann gerade noch rechtzeitig verhindern, dass das kleine Mädchen dort runter springt. Sie erzählt mir ihre Familientragödie, und ich schreibe einen Bestseller darüber.

2.Geschichte:
Ich bin die Großmutter des kleinen Mädchens. Ich behaupte, am Steuer gesessen zu haben, und gehe anstelle meiner Enkelin ins Gefängnis. Da der Obdachlose aber nur leicht verletzt war, muß ich nicht allzu lange dort bleiben.

3. Geschichte:
Ich mache Urlaub in Kanada und gerate in einen Banküberfall. Ich erkenne die junge Mutter aufgrund von deutschen Fahndungsbildern wieder, und kann dazu beitragen, dass sie und ihr Liebhaber gefasst werden. Ich fahre mit einer reichen Belohnung wieder zurück nach Berlin.

"Haste mal'n büschen Kleingeld?"
Erschreckt wache ich von meinen heldenhaften Tagträumen auf. Ich sitze immer noch auf der Bank und habe vollkommen die Zeit vergessen. Mit einem wissenden Lächeln stecke ich dem verdeckten Ermittler einen Euro zu, bevor ich zur nächsten U-Bahn Station eile.

Montag, 13. März 2006

VATERHÄNDE



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Donnerstag, 9. März 2006

Verzauberte Welt


Heute gegen 17:00 ging ich durch die Straßen Berlins; eigentlich kämpfte ich mich mehr durch die inzwischen schon üblichen Schneeschauer, vorbei an vielen eingemummten Menschen, die unter ihren Mützen, Kaputzen und Schirmen vergeblich versuchten, sich vor den feuchten Flocken zu schützen. Die Leute hasteten an mir vorbei, die Autoreifen schrammten über den nassen Asphalt, die Ampeln bestimmten den Rhythmus der großen Kreuzungen. Stoisch stemmte ich mich gegen den ungemütlichen Wind, in Gedanken schon in ein heißes Bad eingetaucht, als plötzlich...ein ungewohntes Geräusch mich abrupt innehalten ließ. Von einer Sekunde auf die Andere fühlte ich mich jäh in eine andere Jahreszeit versetzt...ein Vogel sang aus voller Kehle laut und kräftig mit einer Stimme, die alle anderen Geräusche in den Hintergrund drängte. Mal hell und klar, dann tief und fordernd. Er erweckte in mir ein fast schon vergessenes Gefühl...die Freude auf den kommenden Frühling. Dem Vogel war es egal, ob es frierte und schneite, er fühlte die Zeit der Paarung gekommen und deklarierte voller Inbrunst seine Bereitschaft dazu. Er lockte und zwitscherte, dass es nur so von den Häuserschluchten hallte.
Einen Moment lang lauschte ich andächtig mit erhobenen Haupt seinem Lied, ohne mich an den Schneeflocken zu stören, die mir langsam die Kehle hinunter rannen.
Der Vogel sang von einem Versprechen...und freue ich mich auf seine Einhaltung.

Dienstag, 7. März 2006

Einsicht


Ich fotografiere und filme solange ich denken kann. Vor mir gab es Andere in meiner Familie, die sich unermüdlich bemühten, ihre Umwelt samt ihrer Freuden und Tragödien in Bildern fest zu halten. Ich habe dies von ihnen übernommen und es mir zur Aufgabe gemacht, so viel wie möglich vom Leben um mich herum zu "verewigen".
Aufgrund meiner Filme und Fotos wird mir immer mehr bewußt, wie unbeugsam und unerpressbar die Zeit doch ist...keine Verhandlung ist möglich, kein Bitten, kein Flehen und keine Drohungen zwingen sie in die Knie. Sie ist der unerbittliche Meister unseres Daseins.
Ich sehe die Vergänglichkeit eines jeden kostbaren Moments auf meinen Bildern, und in mir wächst eine unbändige Sehnsucht, diese Augenblicke wieder und wieder erleben zu wollen.
Es ist durchaus möglich, dass ich nur deshalb einen Großteil meines Lebens hinter einer Kameralinse verbringe, um zu versuchen, dieser unausweichlichen Vergänglichkeit ein Schnippchen zu schlagen.

arbre

Wie ausgesprochen dumm von mir!

Samstag, 4. März 2006

Schwule sind die besten Freundinnen!


Mein engster Freund ist schwul. Glücklicherweise, denn wäre er hetero, würde ich ihm nie all die intimen Dinge erzählen können, die mich berühren, erfreuen, beunruhigen oder ängstigen, denn sein "männliches Verständnis" wäre meistens ein einseitiges Verstehen, während ich von meinem Homo-Freund ein globaleres Wissen um meine Person und mein tägliches Leben erwarten kann.
Er nimmt mich schützend in den Arm, wenn ich Wärme brauche, und ich kann mich fallen lassen, ohne dabei seine Hintergedanken befürchten zu müssen.
Er geht mit mir durch die Geschäfte und berät mich mit Geschmack und Humor, ohne dass ich eine Notlüge vermuten muss.
Er tanzt mit mir die Nacht durch, und bringt mich anschließend bis vor die Haustür, ohne dass er erwartet, hereingebeten zu werden.
Er gibt mir freundschaftliche Zärtlichkeiten im Überfluss, schimpft mit mir, wenn es nötig ist, und weint auch mal an meiner Schulter, wenn er Kummer hat.
Nie Konkurrenz, aber immer für mich da...er ist ein Engel mit zwei Seelen in seiner Brust.
Seine Schwäche ist seine überdimensionale Sensibilität. Er verträgt keine Kritik, auch von mir nicht, und wenn mir doch einmal eine aus Versehen über die Lippen kommt, zieht er sich zurück und ist durchaus fähig, mich einige Zeit zu ignorieren. Da er aber sehr viel Humor besitzt und nicht nachtragend ist, vergehen seine "gekränktsein-Krisen" so plötzlich, wie sie gekommen sind, und wir sind wieder die besten Freundinnen.
Mit niemandem kann ich deutlicher über Sex reden, ohne rot zu werden, niemand liebt meine Schwächen humorvoller, niemand streitet sich lauter und hysterischer mit meinen Töchtern, niemand zupft meine Augenbrauen schmerzloser, niemand versucht intensiver und unermüdlicher, meine Bildung zu potenzieren, niemand ist diskreter und präsenter als er.
Niemand verdient mehr meinen Respekt.
Was für ein Glück, dass er schwul ist, denn sonst wären wir ein schon seit langem getrenntes Paar!

Mittwoch, 1. März 2006

Einsam in Berlin

Es wurde fast schon dunkel, als ich heute nachmittag im Schneegestöber nach Hause lief. Vor mir ging tief gebückt ein alter Mann den Bürgersteig entlang. Langsam und vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen, ängstlich darauf bedacht, nicht im Schneematsch auszurutschen. Mit der einen Hand zog er eine kleine Einkaufstasche auf Rädern hinter sich her, in der anderen Hand trug er eine schwere Plastiktüte aus dem nahe liegenden Supermarkt. Schwerfällig kämpfte er sich durch das immer dichter werdende Schneetreiben, während der Wind ihm die Schneeflocken ins Gesicht trieb. Sein schütteres graues Haar tanzte mit den Flocken um die Wette, und sein langer Wollmantel bauschte sich auf im Rhytmus der zunehmenden Windböen. Als er mehrmals ausrutschte und dabei fast zu Fall kam, hielt ich es nicht mehr aus. Um ihn einzuholen lief ich ein wenig schneller, bis ich auf gleicher Höhe mit ihm war. Sein Profil mit der kleinen, graden Nase und der goldenen, randlosen Brille ließ einen distinguierten Herrn erkennen, vermutlich ein Beamter im Ruhestand...einem sehr weit fortgeschrittenen Ruhestand allerdings.
"Darf ich ihnen beim Tragen helfen?" bot ich ihm höflich an.
"Das ist sehr freundlich von ihnen", antwortete er mir mit leiser, wohlmodelierten Stimme, während er seufzend seine Tüte auf den Gehweg stellte, "aber, meine Liebe, was würde mir noch bleiben, wenn ich es nicht mehr fertigbrächte, meinen täglichen Einkauf selbst nach Hause zu tragen. Das wäre sicherlich mein endgültiger Tod....! Trotzdem vielen Dank."
Mit einem scheuen Lächeln bückte er sich langsam, hob die Tüte wieder auf und setzte zögernd, und ein wenig unbeholfen, seinen Weg fort.
Mir zerriss es fast das Herz, als ich sah, wie er mit wankenden Schritten in den immer dichter werdenden Schneeflocken verschwand, und ich erwischte mich dabei, wie ich in einem fast kindlich inbrünstigen Gebet immer wieder die gleichen Worte murmelte:
"Lieber Gott, bitte laß mich nicht so allein sein, wenn ich alt bin...lieber Gott, bitte laß mich nicht so allein sein, wenn ich alt bin...!

Schmetterlings Flügelschlag

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Zuletzt aktualisiert: 23. Apr, 14:58

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